Weihrauch-Meditation

Lausche dem Duft!

 

Inhaliere Weihrauch, vermischt mit Myrrhe oder Ylang Ylang - oder trage eine Mischung aus den ätherischen Ölen leicht verdünnt auf den Puls, das Herz-Chakra, das Kronen-Chakra und die Fußsohlen auf. Zünde eine Kerze an. Lege Dich hin. Schließe die Augen. Der sanfte Rhythmus Deines Atems öffnet die Pforten zu Deiner Seele. Offenbart Geheimnisse, die kein Wort der Welt preiszugeben vermag.

 

Lausche dem Duft.

 

Atme. Atme all das ein, was Dir guttut. Halte den Atem kurz an. Atme all das aus, was Du gehen lassen möchtest. Tu das drei mal. Dann kehre zu Deiner normalen Atmung zurück.

 

Lausche dem Duft. Öffne all Deine Sinne. Spüre, wie das Blut des Weihrauch-Baumes durch Deine Haut in Deine Zellen fließt. Wie jedes Molekül sich sanft in ihnen ausbreitet und sie in Schwingung bringt. Deine Zellen beginnen zu leuchten wie Gold. Werden durchflutet von strahlend weißem Licht.

 

Spüre, wie der Duft des heiligen Weihrauchs etwas in Deinen Gedanken verändert. Er küsst Deine Seele. Er öffnet Fenster zu Deinen Träumen.

 

Atme ein, atme aus. Spüre das Wogen der Weihrauch-Wellen in Deinen Zellen. Schwinge mit. Breite Deine Arme aus wie Flügel und schick Deinem Herzen ein liebevolles Lächeln.

 

Lausche dem Duft.

 

Schwelge in glücklichen Erinnerungen. Schwebe auf einer samtweichen Wolke im Jetzt. Vernimm das weiße Rauschen in Deinen Zellen. Nimm die göttliche Energie in Dich auf. Erdung. Schutz. Unterstützung. Heil sein.

 

Lausche dem Duft !

 

********

 

 

    Mondnacht

 

 

 

Bänder durchschneiden

 

macht Mond in Scheiben

 

Wer loslässt, wird rund.

 

Und bunt.

 

Im Schatten des Mondes

 

kauerte die Angst.

 

Unheilvolle Dunkelwolke.

 

Der silbern schimmernde Mond

lässt der Furcht keinen Raum.

 

Sein strahlendes Lächeln

 

schickt die Mahre der Nacht

 

ins tiefe Schwarz des Universums

 

 

 

Wir (er)leuchten

 

**************

 

Die Raben-Magd. Protokoll einer Rückführung

 

 

 

Ich bin eine Dienstmagd mit weißem Häubchen. Ein großes Schloss in der Normandie. Ich scheuere die Böden in den Pferdeställen. Mein Sohn, vier Jahre alt, Augen schwarz wie die Nacht, spielt im Hof. Er balanciert auf dem Brunnen. Als ich draußen auf dem Platz den Blick nach links richte, steht da eine kleine Armee. Soldaten mit Lanzen und Schildern. Mir wird angst und bange. Ein Soldat tritt nach vorne und richtet seine Lanze auf den Kopf des kleinen Jungen. Ein goldener Strahl trifft ihn, wie ein Laser, direkt in die Augen. Er stürzt vom Brunnenrand in den Sand. Ich stürze zu ihm, will ihn beschützen. Aus seinen Augen fließen blutrote Tränen. Da kommt der Soldat näher, steht bedrohlich über uns. Wie ein Riese wirkt er. Ich habe das Gefühl, dass er mich vergewaltigen möchte. Mein Ehemann hatte mich vergewaltigt und mehrfach seinen Freunden überlassen. Das hat mich schwer traumatisiert. Deshalb habe ich ihn verlassen, lebe allein mit meinem Sohn. Voller Angst vor einer weiteren Vergewaltigung lasse ich meinen Sohn los und laufe davon. In den Wald. Verstecke mich. Der Soldat gibt meinem Sohn noch einen Tritt und scheint mir dann zu folgen. Ich glaube, seinen heißen Atem in meinem Nacken zu spüren und laufe und laufe und laufe – immer tiefer in den dunklen Wald hinein.

 

 

 

Ein kleines Mädchen läuft zu meinem Sohn und bringt ihn in die Kammer. Eine heilkundige Frau behandelt seine Augen mit Kräuterauflagen. Er wird die ganze Nacht allein verbringen. Ich wage mich nicht aus dem Wald, inzwischen aus Scham darüber, dass ich meinen Sohn im Stich gelassen habe. Die Soldaten waren keine wirkliche Bedrohung, denn sie stehen im Dienst des Schlossherren. Als am nächsten Morgen die Sonne aufgeht, gehe ich zurück in meine Kammer. Mein Sohn liegt reglos auf dem Bett, schwach atmend wie ein verletzter Vogel. Das kleine Mädchen hat ihm etwas zu essen gebracht, doch er hat nichts angerührt. Er sieht nur noch Schatten, wie durch einen Schleier. Ich kann ihn nicht in den Arm nehmen. Denn ich spüre seine Verzweiflung darüber, dass ich ihn nicht beschützt habe.

 

 

 

Er wird nicht mehr mit mir sprechen. Kaum essen. Nicht spielen. Und früh sterben.

 

 

 

Am Tag, an dem seine Seele sich von seiner sterblichen Hülle löst bin ich da und schicke ihm heilendes grünes Licht, damit er unversehrt an Leib und Seele und sehend in seine nächste Inkarnation zurückkehren kann.

 

Die Rückführung lässt mich nicht mehr los. Und eine Erinnerung kommt hoch: Als Studentin war ich zu einem Seminar gefahren in die Normandie. Ein hoch herrschaftliches, großes Schloss. Wir Studenten schliefen allerdings in schlichten, zu Schlafkojen umgebauten Pferdeställen. Als Magd reinige ich während meiner Rückführung Pferdeställe ! Tatsächlich bin ich vor 30 Jahren am Abend der Ankunft bin Ohnmacht gefallen. Alle Teilnehmer des Seminars dinierten in einem riesigen, von hellen Kronleuchtern erleuchteten Saal. Mir wurde schlecht. Ich stand auf, um nach draußen zu gehen. Filmriss. Auf einer mit blutrotem Samt bezogenen Couch erwachte ich wieder und schaute in die besorgten Augen mehrerer Filmwissenschaftler, die mich dorthin getragen hatten. „Ça va? Gehts wieder?“, fragten sie besorgt. Ja, ich war wieder in Ordnung. Und bei den Filmwissenschaftlern aus aller Welt, vor deren Augen ich das Bewusstsein verloren hatte, bekannt als „celle qui est tombée dans les pommes“, „ die, die in die Äpfel gefallen ist“. Wenn Franzosen in Ohnmacht fallen, „fallen sie in die Äpfel“.

 

 

 

30 Jahre nach diesem Ereignis verstehe ich dank der Rückführung, warum der Aufenthalt in dem Schloss mich damals so aufwühlte. Die Sitzung bei Dr. Ebertin wirkt noch einige Wochen nach. Es kommen neue Bilder. Einmal erlebe ich im Morgengrauen eine beängstigende Situation. Ich bin wieder auf dem Platz vor dem Schloss. Mein Sohn liegt leblos auf dem Boden. Ich fühle wie diese Frau, die ich damals war, weine, schluchze, ICH BIN SIE! Bäume mich im Bett auf, atme so laut, dass mein Liebster an meiner Seite sanft die rechte Hand auf meine Brust legt. Ich kann nicht aufhören zu weinen, obwohl ich weiß, dass der Wecker gleich klingeln wird. Fühle mich gefangen zwischen den Welten. Bin verzweifelt, fühle mich einsam, verlassen und schuldig. Sehe, dass mein Sohn nach Wochen in einem Zustand zwischen Himmel und Erde stirbt. All das bereitet mir tiefen körperlichen und seelischen Schmerz. Um den Arbeitstag irgendwie zu überstehen, gehe ich im Morgengrauen in den Wald. Zu meinem Lieblingsplatz. Einer schillernd grünen Lichtung, an der das leise Säuseln eines kleinen Baches zu hören ist. Wenige Tage später habe ich dort eine weitere Vision: Ich stehe an einem Fluss in der Nähe des Schlosses in der Normandie und wasche Wäsche. Da nähert sich mir ein Mann laut atmend von hinten. Packt meine Röcke, zieht sie hoch. Dringt ihn mich ein. Es ist der Schlossherr. Obwohl er mich mit Gewalt nimmt, genieße ich es. Neun Monate später wird mein Sohn geboren. Er hat die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. Schwarz, von langen Wimpern umsäumt.

 

 

 

Es ist schwer, diesen Arbeitstag zu überstehen, ich bin wie in Trance. Nach diesem Erlebnis stellt sich ein Gefühl der Erleichterung ein. Wenige Tage später werden mein Sohn und ich in einer Vision wie von Engelshand geführt gemeinsam in den Himmel schweben.

 

Nun verstehe ich das Gefühl, das den Mann an meiner Seite und mich verbindet seit dem ersten Tag unserer Begegnung: Wir kennen uns schon seit langer, langer Zeit. Aus einem anderen Leben.

 

 

 

 

 

     ***************